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PCB-Eltern: Hofmann soll Beschluss ändern (NRZ 21.12.2000)
Moers. Trotz der Ferien lassen die Eltern der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in ihrem Druck auf eine PCB-Sanierung der Schule nicht nach. "Wenn am 8. Januar keine Container als Ersatz-Klassenräume da sind, werden wir unsere Kinder nicht in die verseuchten Klassenzimmer lassen", sagte gestern ein Vater. Und er unterstrich, dass die vom TÜV vorgeschlagenen Maßnahmen für viele Eltern nur eine Teilsanierung bedeuten. "Wir werden die Türen verbarrikadieren, die Kinder werden davor stehen und unverseuchte Klassenräume verlangen", so der Vater weiter. Astrid Schulze von der Schulpflegschaft schickte Bürgermeister Hofmann gestern ein Fax: Darin wird das Stadtoberhaupt aufgefordert, den Ratsbeschluss zur Sanierung zurückzunehmen - weil er den Eltern nicht weit genug geht. Wie sie sagen, verstoßen die beschlossenen Maßnahmen gegen geltendes Recht. Die Stadt sei zur Gefahrenabwehr verpflichtet, was hier nicht genügend geschehe. Schulze weiter: "Wir sind jederzeit gesprächsbereit, bei uns hat sich aber noch niemand gemeldet." M.L.
Eltern wollen Sanierung: sonst Streik (NRZ 18.12.2000)
Moers. Der Streit um die PCB-belastete Geschwister-Scholl-Gesamtschule ist längst noch nicht ausgestanden. Zwar füllten gestern nur gut dreißig Eltern und Schüler die Tribüne der Ratssitzung (so wars abgesprochen), dennoch beharren die Eltern auf ihren Forderungen, die teils weit über das hinausgehen, was die Stadt erfüllen will. "Das Vertrauensverhältnis zur Stadt ist gestört. Wir wollen einen unabhängigen Gutachter, die Stadt soll ihn bezahlen", meinte Pflegschaftsvorsitzende Astrid Schulze im Rat. Dieser sei ebenso vom Rathaus zu bezahlen wie der Rechtsberater. Außerdem sei für die Zeit der PCB-sanierung Ersatz-Schulraum zu schaffen. Astrid Schulze: "Wenn nach den Weihnachtsferien keine Schul-Container an der Römerstraße stehen, werden wir streiken, dann geht niemand in diese Schule." Nach ihrer Rede meldete sich die Politik zu Wort. Mark Rosendahl betonte, dass man nur das beschließen könne, was der TÜV-Gutachter rate. Er sei schließlich der Experte. Maren Schmidt (Grüne) lobte die Schüler für ihre Auseinandersetzung mit dem Thema PCB und machte die Eltern-Forderungen zum Grünen-Antrag. Otto Laakmann kritisierte, dass die Stadtverwaltung die Sanierung auf die lange Bank geschoben habe. Für Unmut auf der Tribüne sorgte Manfred Gramse (CDU). Er monierte den Auftrieb der Eltern und Schüler letze Woche im Rat als "Hausfriedensbruch".
Eine Lehrstunde (NRZ 15.12.2000)
In dieser Woche haben der Moerser Rat und auch die Stadtverwaltung viel gelernt. Auch wenn die Ratsstunde schon nach wenigen Minuten zu Ende war. Denn Eltern und Schüler der PCB - belasteten Geschwister-Scholl-Gesamtschule haben das Orts-Parlament erstmals und eindrucksvoll mit der Öffentlichkeit konfrontiert. Jenen Menschen, von denen sie demnächst wieder gewählt werden wollen. Das mag manchem Politiker lästig erscheinen. Doch es gehört nun mal zum Wesen der Demokratie (griech.: Herrschaft durch das Volk), dass man sich auseinander zu setzen hat. Ob es angenehm ist oder nicht. Eine andere Frage ist, in wie weit die Forderungen der Eltern und Schüler erfüllt werden können. Der Kämmerer und besonders die CDU-Fraktion zeigen bereits auf das leere Stadtsäckel. Dennoch sollten sie bedenken, dass Schule nur funktionieren kann, wenn man dort nicht um seine Gesundheit fürchten muss. Und wenn schon Decken und Wände saniert werden, ist es nur sinnvoll, wenn auch gleich die zugigen und energiefressenden Fenster ausgetauscht werden. Klar ist, dass die Stadt dafür eine Menge Geld in die Hand nehmen muss. Klar ist aber auch, dass der Ruf einer Schule sich direkt auf die Anmeldezahlen niederschlagen wird. Hier gilt es vorzubeugen. Ansonsten muss für die Schülerverluste anderswo wieder neu gebaut werden. Auch dies kostet Geld. Die Befürchtung mancher Politiker, dass der vehemente Protest der Eltern und Schüler Nachahmer in anderen Bereichen finden wird, darf man teilen. Es liegt halt noch vieles im Argen. Doch es ist ureigene Aufgabe der Politik, diese Punkte sorgfältig abzuwägen und dann zu entscheiden. Keine leichte Sache. Vor allem deswegen, weils nicht viel zu verteilen gibt.
Schülervertretung will bei PCB-Problem an Lösung mitarbeiten (NRZ 15.12.2000)
Moers. Es soll keine "Hundertschaft" von Schülern und Eltern erscheinen, wenn nächsten Montag der Rat einen neuen Anlauf nimmt. Darauf haben sich Sozial-Dezernent Rötters und die Elternschaft geeinigt. Gleichwohl weiß man nicht, wie viele Personen aus eigenem Antrieb zur Ratssitzung kommen werden. Rötters kritisierte die Meinung der CDU zu dem Rats-Abbruch (wir berichteten). "Die Äußerungen von Herrn Alkämper tragen nicht zur Deeskalation bei. Er hat eher Öl ins Feuer gegossen." Dies meinte auch Maren Schmidt von den Grünen: "Wir beklagen so oft die Politikverdrossenheit junger Leute. Angesichts der CDU-Äußerungen müssen wir uns da nicht wundern." Die Schülervertretung der Geschwister-Scholl-Gesamtschule hat einen offenen Brief an Bürgermeister Hofmann geschrieben. darin heißt es: Generell stimmen wir den dargelegten Forderungen zu. Wir distanzieren uns aber von dem Auftritt des Jugendlichen aus Neukirchen-Vluyn, der nicht Schüler unserer Schule ist. Wir bedauern, dass die auf der Empore anwesenden Schülervertreter trotz mehrmaligen, vergeblichen Versuchen nicht das Wort erteilt bekamen, da dieses wohl wegen der Situation nicht möglich war. Wir fordern Sie auf, dass sie als Chef der Verwaltung zur konkreten Problematik der PCB-Sanierung Stellung beziehen. Wir werden weiter versuchen, uns konstruktiv und produktiv an der Lösung der Sanierung zu beteiligen." M.L.
Lautsprecher übertragen Ratssitzung ins Foyer (NRZ 14.12.2000)
Moers. Wie gehts nun weiter? Einen Tag nach der geplatzten Ratssitzung durch die PCB-Demonstration herrschte gestern Katerstimmung. Schließlich meldete das Rathaus: Die Sitzung wird am kommenden Montag um 16 Uhr neu gestartet. Und zwar wieder im Ratssaal. Der Vorschlag der Grünen-Fraktion, die Sitzung ins Rheinkamper Sportzentrum zu verlegen (weil da mehr Platz ist), fand damit keine Zustimmung. Dezernent Siegmund Ehrmann erklärte gestern der Redaktion: "Wir wollen im Vorfeld Kontakt zu den Elternvertretern aufnehmen, und wir hoffen, dass wir eine gemeinsame Linie finden." Gleichwohl will man nicht, dass der Sitzungssaal erneut "besetzt" wird. Da die Zuschauerempore nicht genügend Platz bietet, soll die Diskussion des Rates per Lautsprecher ins Foyer übertragen werden. Hier müssten sich eventuelle Demonstranten dann aufhalten. Astrid Schulze von der Elternpflegschaft der Geschwister-Scholl-Gesamtschule sagte gestern der Redaktion: "Wir sind natürlich gesprächsbereit. Doch wir fanden überhaupt nicht gut, wie der Bürgermeister reagiert hat. Viele der Schüler haben zum ersten Mal das Stadtoberhaupt gesehen - und sie waren entsetzt. Es ist ja nicht so, als wenn wir uns daneben benommen hätten." Auf unsere Frage, ob auch am Montag wieder viele Demonstranten kommen werden, meinte sie: "Die Eltern werden für sich handeln, das ist nicht absehbar. Ich finde aber, dass Bürger ein Recht auf eine öffentliche Sitzung haben." M.L.
Demo lässt Rat platzen (NRZ 13.12.2000)
Moers. Die Moerser Ratssitzung ist gestern geplatzt. Das hat es in der Geschichte der Stadt noch nie gegeben. Grund dafür war eine Eltern-Schüler-Demonstration mitten im Ratssaal. Als die Demonstranten trotz Aufforderung durch Bürgermeister Rafael Hofmann den Saal nicht verließen, sagte er die Sitzung kurzerhand ab. Dichtes Gedränge herrschte gestern gegen 16 Uhr im Ratssaal des Neuen Rathauses. Auf der Zuschauer-Tribüne war kein Platz mehr, so strömten zahllose Schüler und Eltern der Geschwister-Scholl-Gesamtschule zwischen die Ratssitze und hinter die Bank der Stadtspitze. Kein Meter war mehr frei. Die Demonstration hatte nur einen Zweck: "Wir wollen, dass unsere Schule endlich vom PCB befreit wird", sagte Eltern-Sprecherin Astrid Schulze am Rednerpult. Wie berichtet, geht den Eltern die Sanierung der PCB-belasteten Schule nicht schnell und intensiv genug. Auch Fenster und Fugen gehörten ausgetauscht, forderten sie. Gleich mehrere Schüler und Eltern ließen am Mikrophon Dampf ab. "Wenn nichts passiert, stehen wir zur nächsten Sitzung wieder hier", so Astrid Schulze. Bürgermeister Hofmann forderte schließlich dazu auf, dass die Demontration ein oder zwei Delegierte stellen solle, die zum Tagesordnungspunkt sprechen könnten. Der Rest solle den Ratssaal verlassen, forderte Hofmann. Doch weil niemand ging, sondern lautstark gepfiffen wurde, sagte er die Sitzung kurzerhand ab. Im anschließenden Tumult fragten sich natürlich viele Politiker, ob die Entscheidung des Bürgermeisters richtig gewesen sei. Der Redaktion sagte er am Abend: "Ich musste aus dem Stand entscheiden. Mit den Eltern war abgesprochen, dass es geordnet zugeht. Leider hat man sich nicht daran gehalten." SPD und Grüne kritisierten indes sein Verhalten. Wie zu erfahren war, soll die Ratssitzung (mehr als 50 Tagesordnungspunkte!) am kommenden Montag nachgeholt werden. M.L.
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