Container sind Aschermittwoch bezugsfertig (NRZ 21.02.2001)

Moers. Sichtlich optimistisch gaben sich gestern Bürgermeister Rafael Hofmann, Schul-Dezernent Hans-Gerd Rötters und der Schulsanierungs-Koordinator Berndt Adamek, als der letzte Container an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule fertiggestellt wurde. Nächste Woche Mittwoch, so hieß es, sollen sie bezugsfertig sein. 18 Klassen können dann einziehen. 598 000 Mark hat die Stadt bislang für Miete und Anschlüsse ausgeben müssen. Bekanntlich dienen die Container als Übergangs-Schulraum, während zahlreiche Klassen PCB-saniert werden. Wie Rötters gestern sagte, sollen die Brandschutz-Maßnahmen (hier gabs viele Mängel) bis nach den Sommerferien behoben sein. Die komplette Sanierung (inclusive PCB) soll nach den Herbstferien abgeschlossen sein. Bürgermeister Hofmann meinte, dass nach der emotional aufgeladenen Zeit nun endlich Ruhe einkehre. Indes ist ein Container bereits mit Sprühfarbe beschmiert worden. Da stellt sich gleich die Frage, wer nun für die Reinigung aufkommen muss.

 


 

PDS: Spende für den Anwalt (NRZ 15.02.2001)

Moers. Die Stadt wird die Kosten für den Anwalt der Eltern (der PCB-belasteten Geschwister-Scholl-Gesamtschule) nicht übernehmen. Das beschloss der Rat. Allein Grüne und PDS stimmten für eine Kostenübernahme. PDS-Ratsherr Dirk Hooymann ging sogar so weit, dass er aus eigener Tasche dem Bürgermeister 200 Mark auf den Ratstisch legte. Wenn allen anderen Ratsmitglieder dasselbe täten, so meinte Hooymann, wäre das Geld für den Anwalt schnell zusammen. Was indes niemand tat. - Die FDP regte an, dass das Land NRW das Honorar zahlen solle. Die Schulmitwirkung sei halt ein Landesgesetz, hieß es. M.L.

 


 

Rat berät über PCB-Sanierung Infos zum Thema Schlaganfall
(NRZ 13.02.2001)

Moers. Die abschließende Beratung über das weitere Vorgehen bei der PCB-Sanierung der Geschwister-Scholl-Gesamtschule steht im Mittelpunkt der heutigen Ratssitzung. Beginn ist um 16 Uhr im großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses. Auf der Tagesordnung steht zuvor die Einführung und Vereidigung von Bruno Vinschen. Er folgt Manfred Doll in den Rat, der das Mandat kürzlich niederlegte.

 


 

Experte spricht in der Gesamtschule KAB wird ganz närrisch (NRZ 09.02.2001)

Moers. In der Geschwister-Scholl-Gesamtschule spricht am Dienstag, 13. Februar, um 19 Uhr Prof Dr. med. Hermann Kruse, Institutsdirektor des Institutes für Toxikologie an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel über das Thema: Toxikologische Bewertung von PCB in der Innenraumluft. Die Veranstaltung findet in der Aula der Schule statt. Eintritt: 4 Mark.  Neukirchen-Vluyn. Ganz närrisch geht es bei der KAB Eyll-Rayen am 24. Februar ab 20 Uhr in der Landschänke Zur Grenze zu. Jede Menge jecke Überraschungen warten auf die Gäste. Karten gibt es im Vorverkauf (12 Mark) in der Sparkasse Rayen, in der Landschänke und beim Vorstand.

 


 

Weniger und mehr (NRZ 09.02.2001)

Viele Menschen in der Stadt (ich gehöre dazu) werden das Kürzel PCB nicht mehr hören können. Das lange Hickhack um die Sanierung der Geschwister-Scholl-Gesamtschule war mitunter nervig und aufreibend, es findet aber nun wohl ein Ende. Nächste Woche wird der Rat geschlossen die Weichen für eine umfassende (und teure) Sanierung der Schule stellen. Viele werden dann aufatmen. Gleichwohl hat das Gerangel einen Blick auf den Zustand vieler öffentlicher Bauten geworfen.  Viele von ihnen sind gar nicht mal alt - und dennoch schon marode. Es ist müßig darüber zu streiten, wer in den 60-er und 70-er Jahren für diese Bausünden verantwortlich zeichnete. Fest steht, dass wir heute mit dieser Misere fertig werden müssen. Und es bleibt ganz sicher an uns Bürgerinnen und Bürgern hängen, wenn die Sünden der Vergangenheit getilgt werden müssen. Irgendwo wird die Stadt dann woanders knapsen müssen. Die knapp zwei Millionen Mark, die nun die Renovierung der Geschwister-Scholl-Gesamtschule verschlingen wird, geben bereits einen Eindruck von den zu erwartenden Kosten in anderen Gebäuden. Ebenso richtet sich der Blick auf die Entwicklung der Schülerzahlen. Während sie früher stetig stieg, befinden wir uns am Anfang eines dramatischen Abstiegs. Schon nächstes Jahr wird dies zu spüren sein, wenn es in Moers bis zu 200 Grundschüler weniger gibt. Die Schulen buhlen bereits um die jungen Leute, die Kindergärten um die ganz Kleinen. Rechnet man die Entwicklungen weiter hoch, so könnten bald komplette Schulgebäude überflüssig sein. Wenig Sorgen hat indes der örtliche Energieversorger, der sich seit der Ehe mit Neukirchen-Vluyn den lustigen Namen ENNI zugelegt hat. Immer mehr Häuslebauer steigen auf Erdgas um. Natürlich auch, weil ENNI mit lukrativen Zuschüssen lockt. Und jetzt subventionieren sie auch noch den Kauf von erdgas-betriebenen Autos. Eine prima und umweltfreundliche Idee. Die pfiffigen Manager des Unternehmens haben dabei vor allem Betreiber von größeren Fahrzeugflotten im Blick, wie etwa Taxen oder Servicedienste - aber auch die Stadt oder die NIAG. Stiegen diese zumindest zum Teil auf den preiswerten Gasantrieb um, so rechnen sie vor, dann könnte die öffentliche Hand eine Menge Geld sparen. Und wozu dies nütze sein kann - siehe oben.

 


 

Die Mehrheit will den Putz von der Wand klopfen (NRZ 08.02.2001)

Moers. Die Sanierung der PCB-belasteten Geschwister-Scholl-Gesamtschule ist ein Stückchen näher gerückt. Gestern entschied sich bereits eine Mehrheit im Schulausschuss dafür, dass in der Schule auch der Putz abgeklopft und erneuert werden soll. Dies führt zu Mehrkosten von rund 700 000 Mark. Allein die CDU-Fraktion hat da noch "Beratungsbedarf", wie Ratsherr Manfred Gramse meinte. Also wird endgültig darüber erst im Rat (am 14. Februar) entschieden. Ein klares "Nein" gaben die Politiker indes dafür ab, dass die Stadt auch die Rechnung des Anwalts (der die Eltern der Schule beraten hatte) bezahlen soll. Das führe zu einem Präzedenzfall, meinten die Fraktionen. Einzig die Grünen-Fraktion votierte, dass das Rathaus den Anwalt bezahlen solle (Stundenlohn: 250 Mark). Die Sitzung befasste sich knapp zwei Stunden mit dem Thema PCB. Gramse bezweifelte, dass das Abschlagen des Putzes wirklich nötig sei. Sowohl der TÜV-Experte als auch das zusätzlich beauftrage Katalyse-Institut meinten aber, dass der Putz ebenfalls mit PCB belastet sei - und daher weg müsse. Gramse möchte nun, dass der Putz auf möglichen PCB-Gehalt untersucht werde. Währenddessen forderte Maren Schmidt für die Grünen, dass jetzt nicht mehr lange diskutiert werden solle. Wichtiger sei, dass die Sanierungsarbeiten endlich begönnen. Schul-Dezernent Rötters gab bekannt, dass noch weitere Schulen mit dem Stoff PCB belastet seien. Man warte noch auf die Ergebnisse von Filder Benden und der Anne-Frank-Gesamtschule. In Filder Benden müsse kernsaniert werden. Die Kosten: noch nicht ermittelt.

 


 

Brandschutz: Stadt bestätigt Versäumnisse (NRZ 08.02.2001)

Moers. Wer hat Schuld, dass der Brandschutz in so vielen öffentlichen Gebäuden Mängel hat? Dies wollte Dezernent Ehrmann  im Schulausschuss erklären: "Die Brandschauen wurden nicht in der Dichte wahrgenommen, oft stiefmütterlich behandelt", ließ er durchblicken. Ob da jemand "unverantwortlich" gehandelt habe, werde erörtert. Fest stehe, dass die Verwaltung ganz selbstkritisch vorgehen will. Ein Bericht folgt in Kürze. - Dezernent Rötters warf ein, dass es in der Geschwister-Scholl-Gesamtschule 1988 eine Brandschau gab - ohne Beanstandungen. Letztes Wochenende wurde die gleiche Schule wegen aktuter Mängel geschlossen. M.L.

 


 

Bauchschmerz vorm Entscheid (NRZ 07.02.2001)

Mit großen Bauchschmerzen werden heute viele Mitglieder des Moerser Schulausschusses über die PCB-Sanierung der Geschwister-Scholl-Gesamtschule entscheiden. Denn es geht um viel Geld. Die Kosten sind (wie berichtet) immer weiter in die Höhe geklettert. Nun soll auch noch der Putz für rund 700 000 Mark abgeklopft und erneuert werden. Dabei muss die Stadt jeden Pfenning dreimal umdrehen. Und andere Schulen warten bereits auf ähnlich umfangreiche Sanierungen. Ein Fass ohne Boden, so scheints. Dennoch wird man sich wohl zu der Komplettmaßnahme durchringen müssen. Schließlich dürfte niemand die Gesundheit der Kinder aufs Spiel setzen wollen. - Natürlich würde auch ein Deckanstrich das PCB aus Wand und Decke abwehren - aber eben nur für ein paar Jahre. Und dann müsste wieder gestrichen und analysiert werden. Ist es da nicht besser, wenn gleich "Nägel mit Köpfen" gemacht werden? Zumal PCB kein Moerser, sondern ein landesweites Problem ist. Da darf sich das Land NRW nicht aus der Verantwortung stehlen

 


 

Geld für Brand-Schutz kommt (NRZ 07.02.2001)

Moers. Rund 155 000 Mark wird ein vernünftiger Brandschutz in der Geschwister-Scholl-Gesamtschule kosten. Gestern stimmte der Hauptausschuss dieser außerplanmäßigen Bereitstellung von Geld zu. Alle Fraktionen waren dafür. Wie berichtet, war ein Teil der Schule wegen mangelnden Brandschutzes gesperrt worden. Morgen im Schulausschuss geht es um die PCB-Sanierung in der Schule. Die Kosten dafür bereiten der Politik großes Kopfzerbrechen.

 


 

Hilft das Land bei PCB? (NRZ 07.02.2001)

Moers. Die Aufträge an die Firmen sind bereits raus, und im Rathaus ist man guter Dinge, dass der Brandschutz in der Geschwister-Scholl-Gesamtschule bald den Vorschriften entspricht. Gleichwohl merkte SPD-Fraktionschef Gerd Döhrmann an, dass dies wohl nur die Spitze des Eisberges sei. In anderen öffentlichen Gebäuden seien ähnliche Mängel zu erwarten, meinte er.  Auch wenn es nicht auf der Tagesordnung stand, war das PCB-Problem an der Gesamtschule ein weiteres Thema im Hauptausschuss. Als Kämmerer Bultmann etwa auflistete, für welche Positionen das städtische Geld (aus organisatorischen Gründen) am Jahresende noch nicht ausgegeben worden war, da meldeten sich Vertreter aller Fraktionen, ob man da nicht einsparen oder gar streichen könne... Es war überdeutlich, dass die anstehende Groß-Ausgabe für die Sanierung der Schule vielen Politikern Bauchschmerzen bereitet. Elke Talhorst, die als Landtagsabgeordnete ebenfalls anwesend war, unterstrich, dass das Land NRW in der Sache helfen wolle. Es könne sich jedoch nicht um ein reines PCB- oder Brandschutz-Programm handeln. Der SPD-Fraktion sei bewusst, dass PCB derzeit ein landesweites Problem sei, das nicht allein den Städten aufgeschultert werden könne. Das Land wird im März den Haushalt verabschieden.  M.L.

 


 

Eltern der Gesamtschule sind schockiert über PCB-Drohbrief (NRZ 06.02.2001)

Moers. Von außen sah der Brief ganz harmlos aus. "Stadt Moers" stand als Absender drauf, die Adresse mit Schreibmaschine aufgedruckt. Doch als Silvia Messerschmidt den Brief schließlich öffnete, fuhr ihr ein gehöriger Schreck durch die Glieder. Handschriftlich wurde ihr gedroht, ihre "Aktivitäten in Sachen PCB und Brandschutz" einzustellen. - Silvia Messerschmidt ist Vize-Sprecherin der Elternpflegschaft an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, die bekanntlich durch PCB belastet und neuerdings auch große Brandschutzmängel aufweist. In dem Drohbrief heißt es weiter: "Wir werden sonst andere Saiten  aufziehen. Sei es Ihr schönes großes Auto oder Ihre Häuserwand, auch wir können unangenehm werden wenn die Nörgeleien und das Querulantentum nicht aufhören und unserer Verwaltung weiterhin die Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. Halten Sie sich zurück! Es dient zu Ihrem Guten!" - Und es folgen noch ein paar Drohungen. Bei der Familie Messerschmidt ist man natürlich entsetzt. Mit dem Brief ging sie gestern gleich zu Bürgermeister Hofmann. Dass die Stadt nicht der Absender sein kann, liegt auf der Hand. Dennoch stellt sich die Frage, wie der Anonymus an den amtlichen Umschlag kam und ebenso an die eingeklebte Adresse von Frau Messerschmidt. "Ganz offenbar werden wir beobachtet. Nun haben wir Angst, auch wegen unserer Kinder", so die Mutter gestern zur Redaktion.

 


 

Stadt soll Anwalt nicht bezahlen (NRZ 06.02.2001)

Moers. Das städtische Rechtsamt hält es nicht für zulässig, wenn die Stadt Rechtsanwalt und Umweltgutachter Klaus Kall bezahlen muss. Das erfuhr jetzt die Redaktion. Bekanntlich war Kall für die Eltern der PCB-belasteten Geschwister-Scholl-Gesamtschule aktiv gewesen.  Im Schulausschuss am morgigen Donnerstag soll nun die Politik entscheiden, ob das Rathaus auch seine Kosten zu tragen hat. Die Rede ist von etwa 10 000 Mark, wie Kall selbst seinerzeit sagte. Das Rechtsamt hat indes wissen lassen, dass die Folgen einer solchen Zahlung überhaupt nicht abzusehen seien. Unter anderem ist Kall auch für den Freundeskreis Bettenkamper Meer aktiv, genauso für die Eltern der PCB-belasteten Niersenbergschule in Kamp-Lintfort. Man fürchtet offenbar einen Präzedenzfall. Im PCB-Krisengespräch im Januar hatte Bürgermeister Hofmann jedoch empfohlen, dass die Stadt neben den Kosten für das Alternativ-Institut auch die Gebühr für Anwalt Kall übernehmen möge. Hofmann hatte aber gleichzeitig auf den Schulausschuss als Entscheider verwiesen. Bei der CDU lehnt man für eine Kostenübernahme seitens der Stadt strikt ab. Und man ließ sogar durchblicken, dass der Bürgermeister dieses Ansinnen von vorn herein hätte ablehnen müssen. Eben, weil der Bürgermeister Schaden von der Stadt abwenden müsse. Zumal Moers als Haushaltssicherungsgemeinde in einem besonderen Sparzwang sei. Indes stellt sich die Frage, wer Kall im Falle einer Ablehnung seitens der Stadt bezahlt. Etwa die Eltern der Schüler? M.L.

 


 

Bei Feuer wäre die Treppe eine tödliche Falle (NRZ 02.02.2001)

Moers. Noch weit gefährlicher als die PCB-Belastung hätte ein Brand in der Geschwister-Scholl-Gesamtschule werden können. Beigeordneter Hans-Gerd Rötters musste gestern zugeben, dass dort noch nie die eigentlich vorgeschriebene Brandschau stattgefunden hätte. Lediglich in der Aula hätte man nachgeschaut, weil dort über 200 Menschen auf einmal zusammensein können. In der Schule werden 1255 Jugendliche unterrichtet. Auch als im Dezember ein Brandbrief der Schulleitung eintraf, weil elektrische Installationen laienhaft und damit falsch verkabelt waren, wurde dies zwar verbessert, doch im Gesamtgebäude geschah bis Ende dieser Woche nichts.  Was der Leiter des Bauordnungsamtes, Martin Rösch, gestern über die Brandschutzmängel in der Schule von sich gab, ist ungeheuerlich. Im alten Teil des Gebäudes, das Mitte der sechziger Jahre gebaut wurde, gibt es keine sicheren Rettungswege, obwohl technischer Beigeordneter Günter Wusthoff beschwichtigen wollte, bei jeder Baugenehmigung werde das doch überprüft. Um im Falle eines Feuers Katastrophen zu verhindern, muss das Treppenhaus abgeschottet und gemauert sein. Vorgeschrieben sind auch rauchdichte Türen. "In dem Altbau gab es nur eine offene Treppe, in Sekundenschnelle hätte sich Rauchgas in der gesamten Schule ausbreiten können", stellte Martin Rösch gestern fest. So wurden die Obergeschosse dichtgemacht, unten darf weiter unterrichtet werden, "weil die Kinder aus dem Fenster springen können." Wo sich die Fenster nicht öffnen lassen, werden die Sperren entfernt. Auch der 1988 fertiggestellte Neubau ist zumindest im Obergeschoss höchst gefährlich, weil Rauchgase im Falle eines Brandes auch dort nach oben ziehen. Also wurden auch hier die Klassenräume geschlossen und angeordnet, dass der Keller entrümpelt wird. Spätestens am Dienstag soll das geschehen sein. Es klingt erstaunlich: Krankenhäuser, Versammlungsräume, Kaufhäuser und Diskotheken werden streng überprüft, doch Schulen, so der technische Dezernent, fallen nicht darunter. Übernächste Woche will man das Wallzentrum unter die Lupe nehmen, wo es vorgestern brannte. Nun hoffen die Verantwortlichen, dass nach den Osterferien das alte Treppenhaus mit den Fluchtwegen sicher ist. Wie berichtet, stehen 1400 städtische Gebäude auf der Überprüfungsliste. Enorme Kosten kommen auf die Stadt zu. Rötters entschuldigend: "In anderen Städten ist das auch so, aber in diesem Umfang hatten wir es nicht erwartet."

 


 

"Wir haben Jahre mit der Gefahr gelebt" (NRZ 02.02.2001)

Moers. Gestern Morgen, gespenstische Stimmung: Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule ist verwaist. Nur der Schulleiter, einige Elternvertreter und Lehrer halten die Stellung. Arbeiter tragen Tische und Stühle aus den Klassenräumen, die Fertigstellung der Container läuft. Von Schülern weit und breit keine Spur, sie mussten gestern draußen bleiben. Die Nachricht, dass das Schulgebäude in gravierenden Punkten nicht den Brandschutzbestimmungen entspricht, löste einen sofortigen Handlungsbedarf aus. Nachdem sie am Donnerstagabend von der sofortigen Schließung der Schule erfahren hatten, hängten sich Astrid Schulze und Silvia Messerschmidt von der Schulpflegschaft ans Telefon und informierten Schüler und Eltern, dass der Unterricht am nächsten Tag ausfällt. "Für uns ist nicht nachvollziehbar, wie der Brandschutz so lange brach liegen kann", kritisiert Astrid Schulze, Vorsitzende der Schulpflegschaft. Im Oktober hatte die Schulkonferenz noch einmal darauf hingewiesen, dass gravierende Mängel vorliegen. Anfang Januar gingen Fotos bei der Stadt ein, die den desolaten Zustand untermauern. Mehr als zwei Wochen später fand dann endlich eine Begehung des Gebäudes statt. Ein Kunstraum und das Fotolabor wurden wegen fehlender Fluchtwege sofort geschlossen. Das Gesamtergebnis, das am Donnerstag im Bau- und Planungsausschuss en passant erwähnt wurde, deckte das ganze Ausmaß der Mängel auf. "Wir können von Glück reden, dass nichts Schlimmeres passiert ist", erklärt Astrid Schulze.
Und auch Schülersprecher Jonas Wiedner mag sich gar nicht ausmalen, was im Falle eines Feuers alles hätte passieren können. Die Schüler seien zum größten Teil schockiert gewesen über die Nachricht. Ihnen sei bewusst geworden, mit welcher Gefahr sie Jahre lang gelebt hätten, erklärt Wiedner. Als Übergangslösung soll in der kommenden Woche der Unterricht im Schichtbetrieb laufen. Die Stunden werden von 45 auf 35 Minuten verkürzt. Die jüngeren Schüler in den Klassen fünf bis acht werden vormittags in der Zeit von 8 bis 12 Uhr unterrichtet, die Jahrgänge neun bis 13 drücken von 12.15 bis 16.25 Uhr die Schulbank. Der Nachmittagsunterricht in der Sekundarstufe I fällt aus. Die angedachte Regelung kann allerdings nur dann realisiert werden, wenn das gesamte Erdgeschoss im roten Gebäude über das Wochenende nutzbar gemacht wird. Daran soll mit Hochdruck gearbeitet werden. Als Glücksfall erweisen sich jetzt die vieldiskutierten Container, die wegen der PCB-verseuchten Klassenräume aufgestellt werden. "Die Kosten, die im Zuge der PCB-Sanierung entstehen, können keine Rolle mehr spielen, weil Ersatzraum jetzt da sein muss", so Silvia Messerschmidt, stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende. "Wir können froh sein, dass die Eltern für die Container gekämpft haben", bestätigt Schulleiter Dr. Burkhard Mielke.

 


 

Schulen und Horte kommen unter die Lupe (NRZ 01.02.2001)

Moers. Koste es, was es wolle - jetzt macht die Stadt Druck bei der Sanierung von Schulen und Kindergärten. Und das nicht nur berim Thema PCB: Auch der Brandschutz kommt auf den Prüfstand. Da soll nämlich auch vieles im Argen liegen. Das Obergeschoss der Geschwister-Scholl-Gesamtschule ist etwa ab sofort nicht mehr zu benutzen, hieß es gestern. Das Rathaus will die Initiative an sich reißen - das machte Schul-Dezenrent Hans-gerd Rötters gestern deutlich. Die Stellen arbeiten nun Hand in Hand. So wird Berndt Adamek (Vize-Chef im Hochbauamt und nun Koordinator in Sachen PCB) ein Team von vier weiteren Experten zur Seite gestellt. Es sind zunächst auf rund zwei Jahre befristete Stellen. Dieses Extra-Personal soll nicht nur die aktuellen Probleme beseitigen helfen, sondern ist auch mit der Untersucheung sämtlicher Schulen und Kindergärten befasst. Viel Arbeit: Allein in fünfzig Gebäuden könnte PCB (war bis 1978 als Baustoff erlaubt) verarbeitet sein. Zum Glück fallen die vielen Kindergarten-Neubauten der letzten Jahre (da war PCB verboten) heraus. Da der Brandschutz seit anderthalb Jahren ebenfalls von der Stadt beaufsichtigt werden muss (früher wars die Feuerwehr), kommen noch einmal bis zu 1400 (!) Gebäude hinzu. Dazu zählen auch etwa Geschäfte oder andere öffentliche Gebäude. "Nach den Ereignissen von Kaprun oder am Düsseldorfer Flughafen wollen wir nichts riskieren", so Rötters. Große Aufregung gabs gestern Vormittag erneut in der Geschwister-Scholl-Gesamtschule.Für eine Weile wurde der Aufbau der Container gestoppt. Der Grund: Es stand nicht fest, ob sie den Brandschutzbestimmungen entsprechen. Nach einer Überprüfung gab PCB-Koordinator Adamek aber Entwarnung. Die Verwaltung will dem Schulausschuss übrigens in der nächsten Woche vorschlagen, dass an jener Gesamtschule auch der Putz abgeschlagen werden soll (wir berichteten bereits). Insgesamt kostet die PCB-Sanierung dann hier rund 1,6 Millionen Mark, so Rötters. Der zusätzliche  Einbau neuer Fenster würde die Kosten auf 4,6 Millionen Mark hochtreiben. Sowohl der TÜV als auch das alternative Katalyse-Institut meinen jedoch, dass die anderen Maßnahmen ausreichten, um die PCB-Werte deutlich zu drücken. Wie es mit der Entlohnung des Anwalt der Eltern steht - das soll im Ausschuss die Politik entscheiden, so Rötters.