NUMMER 253 DIENSTAG, 31. OKTOBER 2000 WAZ

STADTZEITUNG ESSEN

PCB-Suche:

Stadt prüft

alle Schulen

Schon jetzt weitere Funde

In welchen Gebäuden das Gift PCB überall steckt - der Chef der städtischen Immobilien, Ralf Schnittker, weiß es nicht. In vielen, ist sich die Gesundheitsdezernentin sicher und warnt, das Problem auf die leichte Schulter zu nehmen. Zunächst, so Schnittker, werden alle Schulen durchsucht.

Seit die Eltern und Schüler am Gymnasium Werden auf die Barrikaden gehen, ist auch die Stadtverwaltung in Aufruhr. Die Eltern vor Ort sprechen von unverantwortlich langsamem Vorgehen, von hohen Risiken, gar, von Köperverletzung. Sie drohen mit Schulstreik, fordern ein Ausweichquartier.

Die Ingenieure der Stadtverwaltung sehen es anders, technischer. Sie sprechen von ständigen Messungen, von Grenzwerten und davon, dass Lehrer wie Schüler auf der sicheren Seite seien.

Doch nicht nur Werden ist betroffen. "Wir versuchen zurzeit", sagt Schnittker, "uns einen Überblick über Polychlorierte Biphenyle in unseren öffentlichen Räumen zu verschaffen." Die Kindergärten hat man durch, bei den Schulen erst knapp ein Fünftel überprüft. "Bei acht weiteren Schulen sind wir dabei fündig geworden" "berichtet Schnittker. Weitere PCB-Entdeckungen werden befürchtet. Der bisher gravierendste Fall ist die VHS. Das Gebäude wird abgerissen.

Gesundheitsdezernentin Eva-Maria Krüger fürchtet, dass alle Gebäude aus den 60-er und 70-er Jahren betroffen sind. Vor allem in Dehnungsfugen von Fenstern und zwischen Fertigbauplatten sitzt das PCB, möglicherweise aber auch noch ganz woanders. Gerade das klagt Schnittker, mache es so schwer, die Quelle zu finden.

Er warnt jedoch vor "zerstörerischen" Prüfungen. "Wir werden Immer dann, wenn Baumaßnahmen anliegen, auch das PCB-Problem lösen", sagt Schnittker. "Wir können aber nicht hingehen und überall auf Verdacht Fenster herausnehmen und Kitt abkratzen."

Ein wildes Agieren hält auch die Gesundheitsdezernentin nicht für angebracht, plädiert aber für umgehende Sanierungen, wo begründeter Verdacht besteht. Denn, so die Dezernentin, das Gift lagere sich über Jahrzehnte im Körper an, schwäche das Immunsystem und könne gar mit Krebs enden.

Jede belastete Schule, versichert Schnittker, werde man sanieren - so schnell es gehe, egal, was es koste. Zwei Millionen Mark hat die Stadt jährlich dafür vorgesehen und hofft, dass es reicht.

ah

Siehe: Quintessenz